Ein Interview mit Puya Ghasemi dem steirischen Landesschulsprecher für Berufsschulen. Wie bewerten die jungen Arbeitnehmer die aktuelle Krise und welche Maßnahmen fordern sie für ihre Zukunft in der Arbeitswelt?
Hallo Puya, du wurdest vor kurzem zum neuen Landesschulsprecher der Berufsschüler gewählt. Kannst du uns eine kurze Job Description deiner Funktion geben?
Meine Aufgaben als Landesschulsprecher sind es, alle steirischen Berufsschülerinnen und Berufsschüler gegenüber der Bildungsdirekton und dem Bildungsministerium, sowie allen anderen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft, zu vertreten, Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen zu verfassen und Veranstaltung wie das B-SiP – BERUFSSCHÜLER/INNEN IM PARLAMENT zu veranstalten. Außerdem stehen ich und mein Team jederzeit für alle Schülerinnen und Schüler für Fragen und Anliegen zur Verfügung. Aus den Anliegen der Schülerschaft verfassen wir auch eigene Anträge und tragen diese an die verantwortlichen Personen, sowie das Österreichische Schülerparlament (ÖSIP) heran.
Hast du bereits Pläne wie du deine Amtszeit gestalten willst?
Ja, ich habe auf jeden Fall sehr viele Pläne. Generell gibt es einen großen Aufholbedarf was unsere Berufsschulen angeht. Wir wollen eine direkte Anlaufstelle für Lehrlingsrechte und manche Berufsschulen müssen renoviert werden, um auf den neusten Stand zu kommen.
Würden neuere Lehrmittel und Materialien wie online learning zur Verfügung stehen, ginge es Lehrlingen bei den Lehrabschlussprüfungen viel einfacher.
Daher freut es mich sehr, dass wir als Schülerunion uns stark in dem Bereich engagieren & Weiterbildungsworkshops gezielt für Berufsschulen anbieten und dieses Angebot auch stetig ausbauen werden! Dabei gilt es eine hochqualitative Ausbildung für Lehrlinge zu schaffen und auf Lehrlinge angepasste Inhalte weiterzuvermitteln.
Wo siehst du ein größeres Verbesserungspotential beim Berufsschulbereich?
Berufsschultage nach einem ähnlichen Konzept im AHS Bereich wäre toll. Da würden sich Lehrer, Schüler und Eltern zusammensetzen und an Probleme arbeiten. Es gäbe auch einen Austausch zwischen Lehrlingen von verschieden Berufsschulen in der Steiermark.So kann man bei jedem Problem auf die beste Lösung kommen, da alle Betroffenen mitarbeiten können.
Man hört immer, dass der Corona-Lockdown gerade für junge eine enorme Herausforderung darstellte. Wie würdest du die Situation für Lehrlinge gerade einstufen?
Derzeit gibt es ca. 108.000 junge Menschen, die eine Lehre in Österreich machen, viele davon in systemrelevanten Betrieben. Generell traf die Corona-Krise aber alle. Viele konnten ihre Lehre nicht fortsetzen oder antreten und sind jetzt mit einem mehr als holprigem Start ins Berufsleben konfrontiert.
Wichtig ist aber, dass die Betriebe jetzt auch noch Lehrlinge aufnehmen. Da freut es mich sehr, dass die Bundesregierung ein Lehrlings-Paket geschnürt hat, wo jedes Unternehmen 2000€ pro Lehrling, den sie in der Corona Zeit aufnehmen, bekommt.
Welche Maßnahmen würdest du setzen, damit die Arbeitswelt gestärkt aus der Krise in die Zukunft gehen kann?
Eine gute Frage. Durch die Krise sind auch einige gute Sachen entstanden. Ich finde Förderungen für kleinere und heimische Unternehmen sind jetzt genau das richtige was wir brauchen. Weiters wurde auch gemerkt, dass es in einigen Bereichen sehr wohl möglich ist auf Home-Office umzusteigen. Was mich besonders freut ist, dass wirklich viel im Bereich der Digitalisierung – im Sinne von Distance Learning und Online Unterricht – weitergegangen ist.
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